Gesund zurück in den Sport: Interview mit Tinatin Deisenhofer
Landratsamt Augsburg Fachstelle Arbeits- und Gesundheitsschutz, zum Thema Ernährung

 

Viel zu lang hat die Pandemie dafür gesorgt, dass wir uns weniger bewegen. Doch die Möglichkeiten sind jetzt endlich wieder da: Wir kehren gemeinsam mit Ihnen gesund zurück in den Sport im Landkreis Augsburg! Die richtige Ernährung spielt dabei eine wichtige Rolle, nicht nur für das körperliche, sondern auch für das psychische Wohlbefinden.

 

Sport Landkreis Augsburg: Frau Deisenhofer, welche Rolle spielt die Ernährung für ein körperliches, aber auch psychisches Wohlbefinden?

Tinatin Deisenhofer: Eine pflanzenbasierte Ernährung, die arm an tierischem Fett und Fleisch ist, dafür aber umso mehr Ballaststoffe, Vollkornprodukte und frisches Obst und Gemüse enthält, führt erwiesenermaßen nicht nur zu besserer körperlicher Gesundheit, sondern ist auch für eine gesteigerte kognitive Leistungsfähigkeit und erhöhtes Wohlbefinden essentiell. Es gibt immer mehr Belege dafür, dass bestimmte Nahrungsmittel oder Nahrungsbestandteile, wie z. B. Omega-3-Fettsäuren, die Hirnfunktion schützen oder sogar verbessern und dass hingegen ein an gesättigten Fetten reicher Ernährungsstil nicht nur das Risiko für kardiovaskuläre und viele andere somatische Erkrankungen erhöht, sondern auch zu psychischen Dysfunktionen führen kann.

 

Was sind aus Ihrer Sicht die größten Veränderungen, die sich im Hinblick auf die Ernährung seit der Pandemie ergeben haben?

Mit Ausbruch der Corona-Pandemie hat sich auch das Lebensmittelkonsumverhalten der Verbraucher in Deutschland deutlich geändert. Einige Menschen kaufen zwar öfter regionale Lebensmittel oder kochen häufiger als vorher, andere nehmen aber auch mehr Junkfood zu sich als noch vor Pandemiebeginn. Eine Studie der LMU München zu Essgewohnheiten und Gewichtsentwicklungen von Familien während der Pandemie zeigt etwa, dass mehr als ein Viertel der studienteilnehmenden Eltern an Gewicht zugelegt haben (Studie der LMU München).

 

Haben sich durch diese Veränderungen des Lebensmittelkonsumverhaltens im Laufe der Pandemie bestimmte Risiken ergeben?

Ein Risikofaktor — gerade in der Pandemiezeit — kann Fehl- bzw. Mangelernährung sein, weil dadurch das Immunsystem geschwächt wird. Mangelernährung kann dann entstehen, wenn sich zum Beispiel aufgrund von vermehrtem Aufenthalt zu Hause und dem Arbeiten aus dem Home-Office, oft auch bedingt durch Langeweile oder Stress, die Energiezufuhr und der Konsum von so genannten „Comfort Foods“, wie Süßigkeiten und Kuchen, erhöhen. Der Verzehr dieser meist kohlenhydratreichen Lebensmittel wirkt über die Serotoninproduktion positiv auf die Stimmung, erhöht aber gleichzeitig das Risiko für Übergewicht und damit für chronische Entzündungen. Die für das Immunsystem wichtigen Vitamine ABCDE und Mikronährstoffe, u. a. Zink und Selen, werden dagegen nicht gedeckt.

 

Wir haben in den letzten Monaten viel Zeit zuhause und vor dem Bildschirm verbracht. Wie kommen wir aus diesem ungesunden Trott wieder raus?

Um wieder einen fitteren Zustand zu erlangen, hilft es, sich konkrete Ziele für Sport und Ernährung zu setzen und zu visualisieren. Fragen Sie sich: „Passen Burger mit Pommes wirklich zu mir als Sportskanone?!“ Und sagen Sie sich z. B. „Wenn ich sportlich aktiv bin, bin ich leistungsfähiger.“ Die richtige Planung und Motivation sind schon erste Schritte zu Ihrem gesünderen Selbst.

 

Welche wichtigen Tipps haben Sie für unsere Vereinssportlerinnen und –sportler zum Thema Ernährung?

Eine ausgeglichene Flüssigkeitsversorgung ist sehr wichtig. Deshalb sollten Sporttreibende unbedingt ihrem Durstgefühl folgen und viel trinken. Vor der Belastung sollte auf eine ausgewogene Wasserbilanz geachtet werden. Besonders geeignet sind kühle Getränke mit einer Kohlenhydratkonzentration zwischen fünf und sieben Prozent. Empfohlen wird etwa 300 bis 500 ml in kleinen Schlucken zu trinken. Während der Belastung gilt: Erst ab einer Belastungsdauer von 30 Minuten kann eine Aufnahme von Sportgetränken die Leistungsfähigkeit verbessern. Sinnvoll wäre der Konsum eines Kohlenhydrat-Elektrolyt-Getränks. Das gewährleistet eine schnelle Aufnahme und gute Verträglichkeit. Hier wird empfohlen etwa 150 bis 200 ml alle 15 Minuten zu trinken. Elektrolyte haben im Körper sehr unterschiedliche Funktionen, z. B. bei Muskelerregung und Nervenaktivität. Natrium und Chlorid werden über den Schweiß ausgeschieden. Bei sehr intensiven und langandauernden Belastungen können fünf bis sieben Prozent der Elektrolyte verloren gehen. Das Trinken natriumreicher Getränke ist deshalb besonders bei Hitze entscheidend, um einem leistungsmindernden Natriumdefizit vorzubeugen. Zur Rehydratation eignen sich nach der Belastung am besten Kohlenhydrat-Elektrolyt-Protein-Getränke. Sie sollen den Elektrolytverlust über den Schweiß ausgleichen. Proteine liefern Aminosäuren für den Muskelaufbau.

Bild- & Textquelle: Tinantin Deisenhofer (privat)
Bildquelle Post: Pixabay, Lukasbieri

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