Gesund zurück in den Sport: Interview mit Johannes Daxbacher
Diplom-Trainer, internationaler Sport- und Judo-Botschafter und Vizepräsident im Polizeisportverein Königsbrunn zum Thema Vereinssport

 

Viel zu lang hat die Pandemie dafür gesorgt, dass wir uns weniger bewegen. Doch die Möglichkeiten sind jetzt endlich wieder da: Wir kehren gemeinsam mit Ihnen gesund zurück in den Sport im Landkreis Augsburg! Vor allem zahlreiche Sportvereine können nun Gleichgesinnten wieder ein gemeinsames Sporteln ermöglichen.

Sport Landkreis Augsburg: Welche Auswirkungen der pandemiebedingten Trainingspause konnten Sie bei Vereinssportlerinnen und –sportlern beobachten?

Johannes Daxbacher: Die unbestrittenen Vorteile des Sports, die wir als Menschen, aber auch als Gesellschaft haben, konnten in der „Corona-Zeit“ leider nur sehr eingeschränkt genutzt werden. Sport ist für uns eine ganz außergewöhnliche Möglichkeit, um unser Leben und unsere Gemeinschaft physisch, psychisch und sozial besser gestalten zu können. Dazu gehören neben Gesundheit, Freude und Spaß, u. a. positive Auswirkungen auf unser Sozialverhalten, auf erzieherische bzw. entwicklungsunterstützende Elemente sowie Wertevermittlung, Prävention und Verletzungsprophylaxe, Integrationsfähigkeit und vieles mehr. Gerade Kinder und Jugendliche haben sehr unter dieser Einschränkung gelitten. Und bemerken selbst auf allen Ebenen die Folgen des „Nicht-Sporttreibens“, wie vor allem auch Eltern, Mediziner und Lehrer.

 

Wie war Ihre persönliche Erfahrung im Polizeisportverein Königsbrunn bezüglich dieser deutlich reduzierten Trainingsmöglichkeiten?

Im Polizeisportverein Königsbrunn haben wir nach den erlaubten Möglichkeiten und Lockerungsschritten verschiedene Angebote vom Trainingsangebot in Fünfer-Gruppen und mit Abstand, auf Wiesen und Gärten bis hin zum Training in Sporthallen bzw. der Königstherme den Sportbetrieb so gut es ging aufrechterhalten. Hier hat sich vor allem die hervorragende Unterstützung der Stadt Königsbrunn gezeigt, sodass wir für den Hallensport untergebracht werden konnten. Sehr schlimm hat es allerdings meine Judotrainer in Äthiopien bei dem Projekt „Judo for Ethiopians“ erwischt. Denn da sich diese mit den Trainingsgebühren ihrer Judoschüler über Wasser halten müssen, war ein kompletter Lockdown für diese erst einmal eine mittlere Katastrophe für deren Existenz.

 

Nun geht es glücklicherweise wieder los mit dem Vereinssport, wie denken Sie, wird dieser Start bestmöglich für Vereine gelingen?

 Meiner Meinung nach wird bald ein großer Run auf „Sport, Bewegung, Austoben, Spielen, Kämpfen und Raufen“ sowie der Ruf danach, wieder Gesundheit und Fitness zu erlangen, entstehen. Bewegung gehört zum Leben und dazu gehören Sport und Spiel. Eltern und Kinder, Jung und Alt, Lehrer und Erzieher sowie Mediziner werden sehr schnell die unkomplizierten und günstigen Möglichkeiten eines Sportvereines (wieder) für sich entdecken. Die Verantwortung der Vereine bzw. die Expertise der Trainer wird diesen Bedarf vertrauensvoll und kompetent abdecken können. Vereine könnten eventuell auch spezielle „Wiedereinsteiger-Kurse“ mit ausgewählten Inhalten anbieten. Hier werden wir dann den Focus auf eine Verbesserung der körperlichen, psychischen und sozialen Gesundheit legen müssen, welche in dem Jahr 2020/21 aufgrund der Corona-Schutzmaßnahmen doch deutlich eingeschränkt war.

 

Was ist aus Ihrer Sicht für einen „Wiedereinstieg“ in das Vereins- und Wettkampftraining zu beachten?

Die Erwartungshaltungen der Sportler, Eltern und Trainer müssen an die relativ lange „Sport-Pause“ angepasst werden. Ein großer Teil der Sportler wird nicht lückenlos an die guten Leistungen von vor einem Jahr anknüpfen können. Zu lange war in der Corona-Zeit die Phase der Untätigkeit bzw. der fehlenden Kontinuität im Rahmen einer sportlichen, körperlichen, technischen und mentalen Weiterentwicklung, um gleich wieder an den gewohnten Wettkampfmodus und Leistungsgedanken anschließen zu können. Somit sind die Fürsorgegedanken und ein angepasster Trainingsaufbau, vor allem der Trainer und der Übungsleiter enorm wichtig, um Verletzungen und Frustrationen bei den Sportlern zu vermeiden. Der sportliche Wiedereinstieg wird als Hauptziel vielfach die erkannten Defizite und Verluste im Fitness- und Gesundheitsbereich sowie im „sozialen Miteinander durch sportliche Wertevermittlung“ wieder auszugleichen haben.

Wir haben aber noch ein weiteres Thema: den Fortbestand der Sportvereine. Dazu zählen natürlich als Triebfedern unsere engagierten Trainer, Übungsleiter und Funktionäre. Es wäre wünschenswert, wenn die Corona-Krise dieser Personengruppe nicht die Motivation nehmen würde. Ohne diese Ehrenamtlichen, oftmals wissend, dass Erfolg und Wertschätzung nicht unbedingt üppig vorliegen, geht es nämlich nicht weiter. Gerade in dieser Zeit des „sportlichen Wiedereinstiegs“ benötigen wir jeden einzelnen qualifizierten Übungsleiter und Betreuer, der sich regelmäßig für Kinder, Jugendliche und Erwachsene in den Vereinen einsetzt. Die Sportvereine müssen unbedingt weiterbestehen und ich bitte alle Vereinsmitglieder um Treue zu ihren Vereinen. Ohne den organisierten Vereinssport würde unsere Gesellschaft um ein großes Stück ärmer werden.

Bild- & Textquelle: Johannes Daxbacher (privat)
Bildquelle Post: Pixabay, Sweetlouise

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